Montag, 7. September 2020

Über Gedichte 2005

Ich liebe Lieder, aber ich schreibe Gedichte. 
Das Lied küsst Dich. Du empfindest Lust oder Ekel. Das Gedicht öffnet den Blick auf eine Welt. 
Im Lied ist alles möglich. Selbst die ungeheuerlichsten Dialektbrocken gehen runter wie Öl. Das Gedicht lebt vom Wort. 
Das Lied massiert, das Gedicht zieht eine Jalousie hoch: Schau!

Mit 1 cl Jazz zu lesen 
22.1.2005

Freitag, 17. April 2020

Happy Jack 09

Happy Jack

Wenn Du zwanzig Jahre Familie warst, willst Du auch mal Ich sein. Hans hatte sein Abi, ja sein Studium in der Tasche und sprang hinaus in die Welt.

Ein Stück seiner Freiheit schnitt er für die Firma ab. Da gabs Geld, Wohnung und Auto. Wie froh unser Hans da war: jetzt konnte er für sich wohnen und einfahren, was das Herz begehrt.

Aber was für ein Glück, als er von seiner Grete genommen wurde! Jetzt sagte er zur Freiheit "Autonomie", konnte er doch ein Haus bauen, viel mehr zusammen erleben und der Einsamkeit entwischen. Und wie frei er war von der Welt und ihren Erwartungen!-

Was dann? 

Da gab es Kinder. Das war ein Fest: endlich konnte er all seine Gedanken weiter geben. Was war dagegen das Bißchen Freiheit, das er dafür tauschte. Er bekam ja so viel Glück dafür.

Zogen die Kinder aus, ach da streckte er die Beine unter die blitzende Harley Davidson und freute sich wie ein Schweinehirt auf Martini. Jetzt konnte er alles Geld mit seiner Grete verprassen. Sie kauften dicke Autos und machten die teuersten Diäten. Und wenn er morgens mit schwerem Kopf beim Alka-Seltzer saß, da freute er sich so laut, dass die Lehrer an den Nebentischen vor Neid ihre Kleinkinder anzischten.

Wer aber kann sich die Freude vorstellen, als er endlich, endlich in Pension gehen konnte. Es zwickte zwar hier und da, die Beta-Blocker machten flau und Grete zog zu Urmutter-Seminaren. Aber die Welt war weit und die verbotenen Äpfelchen lockten.
Wie gut er doch sein Geld angelegt und die Häuser vermietet hatte! Die Scheidung erledigte ein Tennisfreund für fast geschenkt. Er konnte seine Pflegerin aus jedem Land östlich der Neiße kaufen.

Wenn Du seinen Grabstein finden willst, mußt Du lange suchen. Die Erben haben seine Asche nach seinem Willen verstreut. Und jetzt sag mir: Wer hat mehr Glück aus seiner Freiheit gemacht?

16.08.09 Klaus Wachowski 


Mittwoch, 15. April 2020

Zen schamanesk

Zen schamanesk 

In heilgen Orten wabern Chakren,
Wo dunkel tiefe Tiefen flackren.
Urmutter sticht gechannelt high,
Sakral umflortes Arschgeweih.

Astral wiegt sich der Beckenboden,
Was lustvoll schwillt, erscheint verboten. 
Die Mondin leuchtet somnambul
Für 40 Euro - Cool!

Rebirthing tanzt das Labyrinth,
Van Gogh soff morgens schon Absinth.

Mein Gott folgt lieber armen Irren, 
Als sich Schamanen anzuschmieren.
 
28.6.2009

Samstag, 4. April 2020

2009 Zwei Amseln

Zwei Amseln

Wie schön der Morgenstern! Die Alpträume lösen sich auf in feine Fäden, die Hoffnungen senken sich in tausendfingrige Büsche. 

Es ist da, 
ich werde es verlieren, 
ich öffne meine Aufmerksamkeit. Da ist das Labyrinth, in dem Du das Ich spürst und aus dem Du Gott rufst von Unbekannt zu Unbekannt. 

Mit zerbrechlichen, brechenden Werkzeugen geht Wittgenstein an die philosophischen Gebirge. Was ist dem Fragezeichen nicht fragil? Aus den gebrochenen Erinnerungen ragt eine Nichtwissen reflektierende Ruine Ich.
Gott sagt: "Nachtblauer Halbschatten!" Die Amsel schwingt sich auf die Baumspitze. Sie ruft ihren Mann oder Frau herbei. Die grünen Blätter in den Gärten sind plötzlich plastisch und saftig von Realität. Es duftet nach frischer Welt.

Foucault schlägt im Manuskript seiner Seele nach und kann das Kapitel Ich nicht finden, wiewohl er jedes Wort einzeln buchstabiert. Der bukowinische Rabbi lacht und wirft die Buchstaben hoch in die Luft. Gott fällt als Sonnenfunken in den von Tannennadeln bedeckten Staub Deines Herzens. Die Amsel deutet auf mich und sagt: "Schau  mal, ein Ich." 

Armut vom Feinsten und Einsamkeit vom hohen Niveau treffen einander beim Billigbäcker. Cogito, ergo sum. Was ist das Ich außer Subjekt der Erkenntnis im Tsunami? Rene Descartes könnte auch ein Automat Gottes oder des Menschen sein. Woher weiß ich: "Das ist Ich-noch-einmal"?

Die Amsel blickt über die Rentnergärten, wo sich die Alten freies Schußfeld geschaffen haben. Ein letztes Sichern der menschlichen Ordnung, bevor der Dschungel die Herrschaft erobert und der Ohnmacht, dem Tod und der Einsamkeit seine Schatten öffnet. Wer spielt dann mit Dir das Katzenspiel?

Mein Ich steigt aus dem Manuskript seines Lebens. Es spürt die Erstmaligkeit dieses Morgens und hört den Glockenklang von Märchen. Bin nicht auch ich heute zum ersten Mal? Das Blau senkt sich in die Grasstoppeln, in die Federn und in die Seele. Ich atme neuen Tag in blühende Erinnerungen.

Die Einsamkeit setzt sich an den Tisch und die Not ruft die Nacht, in die die Romantiker ihre Lügenmärchen träumen. Ja, wenn das Du "Ich" sagt, was soll dann das Ich sagen? Ein Wettbewerb zuckelt vorbei. Es gilt, die Ernte guter Beziehung einzufahren. Die Literaten von Gemütlichkeit und Drang zeigen ihre Waggerl- Weihnachtsgedichte. Man dekoriert heute aber auch mit Gebrochenheiten Stärke. Vorne strebt der Ruhm, hinten wedelt die Sklavenseele. 

Der sterbende König hält den Spiegel in der Hand, um sein Leben bei der Auflösung zu beobachten. Sie wird schneller sein als das Licht, das zurück eilt, ihm seinen Tod zu melden. Seine Augen verwandeln sich in Hologramme, in deren Tiefe Verwirrung flackert. Wenn Gott ein erkennendes Wesen ist und auch der Wurm zumindest weiß, was vorn und hinten ist: was sehen sie, wenn sie in sich hinab schauen? 

Ich frage den Obdachlosen nach dem Weg zu den Menschen. Er lächelt und zeigt auf seine Wundmale. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Zu den Menschen mußt Du nicht kommen. Sie holen und sie bedrücken Dich. Als Kind Gottes bleibt Dir nichts als Leben und Tod, Gruß und Abschiedsgruß. Ich bin von Erkenntnis besoffen. 
Die Amsel ruft einen Liebesjubel. Zu ihrer Frau sagt sie: "Siehst Du das Ich da unten? Randvoll mit Erinnerungen. Es geht schon zur Hälfte unter der Erde." Tatsächlich höre ich über mir schon die Schritte der neuen Zeit. Sie spuckt neben mir aus und schickt Zäpfchenbomber in die Welt Gottes.
  
Aufbohren der Aufmerksamkeit? Alle Windows-Entfesselung führt nicht näher ins Herz des Anwenders, der soeben die Taste "del“ drückt, um Deine Vernunft zu formatieren. Turbo-downloade Deine Depression, Wellness all-inclusive.

Aber die neue Zeit mischt sich auch neu: Die Liebe strafft das Ego der deutschen Ureinwohner mit den Massagen Asiens, und die Provinz zerfällt wieder in Familien. Ein Kinderwagen für 1.000 Euro fährt den neuen Dalai Lama ins Ich des Menschen, während Gospel, Glatz und Kopftuch sich zusammentun, um den Minirock zu steinigen. Wir philosophieren. Zur Begleitung wähle ich mir den Irrtum und Gott, das Fragezeichen.

*

Reden wir vom Du nach dem das Ich sich sehnt, wenn ihm nichts geblieben ist als Raum und Zeit. Der Wille zur Macht lacht darüber und stolpert über einen liebeskranken Amok, der eine Heilige umarmt. 

Am Sterbebett sagt Narziß:  "Meine  Mutter hat mich nicht geliebt." Sie sehnte sich nach Liebe und zog ihre Jungen zu Helden und Bestien heran. Ein BMW von der Betriebswirtschaft rauscht durch den Vicar of Wakefield. Homo oeconomicus reicht bei Hartz IV lnsolvenz ein. Welchen Abschreibungssatz nehme ich auf die Ewigkeit? 

*

Wer weiß schon Wahrheit? Der Allwissende oder der Dämon des Sokrates? Woher weiß Gott, daß Du ein Ich bist wie er? Ist die Grenze der Sprache die Grenze der Welt? Und was sagt da wohl der Koma-Patient zu all unseren Gewißheiten? Man könnte den Papst fragen oder den Parteivorstand, Weisheit und Prada. Ich ziehe vor, mein Nichtwissen nachdenkend zu erwerben.     

 05.10.09 Klaus Wachowski

Donnerstag, 2. April 2020

2009 zu Mio, mein Mio

Lindgren Mio mein Mio

Nach Kato

Der Name des bösen Ritters müßte eigentlich umgekehrt heißen: Cäsar. Nach dem Sieg über Kato kommt der Friede in Mios Land. Die düsteren Erden überziehen sich mit grünen, von Blumen duftenden Wiesen, im Himmel fliegen gesellige und fröhliche Vögel, die Wolken ziehen durch ein strahlend blaues Himmelsmeer.

Ein sanfter Wind weht aus der Erinnerung herüber.

Einsamkeit und Trauer legen sich schwer auf das Land.

Das Böse ist vernichtet, die Welt des Helden leert sich. Was kann er tun? Er wird nicht gebraucht. Wenn er zum Himmel oder zum Horizont schaut, findet sein Blick keinen Halt. Das Herz ertrinkt in Erinnerung und Sehnsucht. Die Freunde sind in Familienverbänden aufgesogen und verbringen den Tag mit Sicherung und Vermehrung von Besitz und Nachkommen. Das schwarze Korn Einsamkeit bohrt sich in den Grund seiner Seele. 

Wie kommt es, dass er in die Liebe fällt? Wir wissen es selbst nicht mehr. Ein gewisser Schmerz von Einsamkeit scheint die Bedingung. Ist es nicht so, dass sie die Sinne für den Ort des Glücks - und Leidens - schärft, wie der ausgetrocknete Körper die Sinne für den Geruch von Wasser es tun soll.

Vielleicht immer treffen sich zwei Einsame in der Liebe. Und was ist Sexualität, der Verführer, anderes als Sehnsucht, als Ausdruck der Einsamkeit? Erlischt sie doch in den Wassern des Glücks.

Nun ist Mio alt. Umgeben vom Glück seiner Familie verabschiedet er sich. Er muß keinen "letzten" Kampf mehr führen, um die Welt aus der Not und sich selbst aus der Langeweile zu retten. Er muß seinen Besitz an Glück wieder zurück geben. Leiden. 

Die Wege der Familie trennen sich. Die Entfernungen werden größer und als Gewinn an Freiheit und Rückkehr der Einsamkeit fühlbar. Das Schicksal bricht in den Frieden ein und schlägt große Wunden. Die Erinnerungen reichen nicht mehr aus, die Trauer um den Verlust zu neutralisieren. 

Ihm bleiben Tag und Traum. Nun wartet er auf den Tod. Er hütet sich davor, zu sehr über das Unvermeidliche zu klagen. Aber er verschweigt auch seinen Schmerz nicht. Was an Glück der Liebe, Freundschaft und Offenbarung der Natur geblieben sind, nimmt er als Geschenk mit in seinen Schlaf. Und die Erinnerung beschert ihm einen Traum voll Freude und Schatten der Sehnsucht dazu. So fliegt er mit seinem Pferd auf diesen dünnen Strich am Horizont zu. Manchmal hört er die Stimme seines Freundes und seiner Gefährtin im Wind. Er dreht sich um und wird vom Licht aus der Zeit fast geblendet. 

Von unserem Tisch am Wegrand aus wünschen wir ihm noch einen weiten Weg.

*

Andere hatten sich verloren, bevor sie etwas oder jemanden gewinnen konnten. Auch sie gingen einen Weg. Das Glück, das sie suchten, war auf der Rückseite Leid. Sein Name war Ich. Sie fürchteten die dunkle Seite und flohen daher auch vor dem Glück in die Zwischenwelt des Überlebens, der Pflicht, des Erfolgs. Die Gesänge und die Flüche, die Schmerzens- und die Lustschreie der anderen hörten sie lächelnd und staunend. Auch sie warteten auf die letzten Stunden, während sie die Gegenwart nahmen, wie sie war. Ungerührt. Auch sie näherten sich dem Horizont. In der Nußschale Alltag trieben sie dahin. Überholt von den Glücklichen, vorbei an Gestürzten der Hoffnung. 

In einem Augenblick der Stille begegnet dem Verzagen die Hoffnung. Ein Mensch tritt ins Leben oder hinaus in das nächste. Lassen wir uns fallen. Die Sonne läßt das Stäubchen schweben. Sehen wir hinaus. Hinein...
 

06.09.09 Klaus Wachowski

pinke Giraffen aus 2009

Verwirrungen


Aus meiner Einsamkeit sehne ich mich hinter den Horizont, der Deinen zu begegnen.
Die Schmerzen der Liebe, die Desintegrationen der Einsamkeit. So trennen sich schließlich auch die Leiden. Es bleibt die Hoffnung auf die Zeit.

*

Dunkel sind die Augen von Abschied. 
All die tätigen Tätigen, wie beneide ich sie plötzlich um ihre Not! Schwatzen höre ich die Schwatzenden. Mein Schweigen ist lauter.
Der Bach plätschert fern aus der Zeit. 
*
Ich hole den Tee aus dem Schrank und bekomme einen Stich. Es war eine der letzten Handlungen, bevor Du gingst. Die Liebe hat etwas Romantisches. Sie ist wie ein Märchen, dunkel und hell. Wie das Leben in einem Tropfen Augenblick.
There is fiction in the space between You and me, singt Tracy Chapman.
*
"There is friction in the space between", schrieb ich vor einem Jahr mit Bezug auf das gleiche Lied. Waren damals schon Einsamkeit und Liebe das Thema?

"Pinke Giraffe vor dem Horizont".

Ich lese nach: „Welches sind Deine Träume, und: bleibst Du jetzt für immer bei mir? Ich erwache aus einer sommerlichen Ermüdung in einem geschäftigen Herbst. 
Blau tagt der Tag. Die Blätter zittern im Wort des Windes Ewigkeit. Die Einmaligkeit des Lebens singt im Ratschen der Rollläden, im Schimpfen  der  Amsel, im Aufprall des faulen Apfels, im Brausen der Autos und in der Erlösung der in mich einströmenden Luft.

Damals sagte das Licht zu mir: Geh in das Leben: Es ist schön. Ich glaubte, gemeint sei Zukunft. 

Ich sehe den 11. September. 

Im Schrecken des Menschen vergehen Wert und Welt. Die Lichtstreifen im Himmel drehen sich ineinander. Aus dem Wald schimmert die grüne Höhle Deiner verborgenen Wünsche. Von den Baumwipfeln senkt sich der Frieden aus Giraffenaugen. Golden glitzert es auf dem rosa Leib. 

Dann, Hänsel und Gretel, geht in die Landschaft hinaus. Am Fluß wartet der sanfte Elefant auf die Elenden der Welt. Und Jesus bricht das Brot, Rosa Luxemburg streichelt den blutenden Ochsen. 

Eine Mutter fährt ihr Spielzeugkind zur Schule. Das wird mal ein guter Roboter. Ein Hund bellt aus dem Haß eines Herrenmenschen.

Der Elefant macht einen Paradigmenwechsel, ein Kanzler greift ins Hack mit Zwiebel und macht wieder in 68. All diese Betriebswirtschaftsnudeln: Vom Schreibaby zur Bollywood-Schachtel.

Ich liebe pinke Giraffen und ihre Freunde in Barbie-Grün. Sie studieren Sozialarbeit und aus ihren Handtaschen lächelt verschmitzte Betriebswirtschaft. Mit 40 bricht plötzlich das Ich aus, die Ganzkörperrasur und das Lesen von Romanen. Ferne Welten, ersehnte Lieben unterm Bogen einer rosa Giraffe.

Ein Rudel  Spielzeugkinder hüpft vorbei. Großeltern träumen unzutreffendes Glück der Erinnerung. Der Kaffee löscht Bitterkeit in süßer Bitternis. Feucht glänzt in der Sonne eine Unterlippe pink. Welches waren die Küsse?
*

Oozabfd iis! -, es kracht wie Knochen. Der Himmel bekommt einen fürchterlichen Riß im Display.

Die Heimat der Götter versinkt in einem Lichtermeer. Eva in der Wanne vom goldenen Wasserhahn spürt das Einströmen der Reiselust ins Rentenalter, als ein Post-68er Trockenstraus auf dem vergessenen Barocktischchen einer Liebe auf den ersten Blick. Die pinke Giraffe beugt sich vom Horizont herab, Dich zu erlösen.
Alles wird gut: Gott schlägt Boris Becker im Dritten Satz. Deutlich ist sein Faltenhals zu erkennen. Yasunari Lagerfeld kommt wieder. Das Verfassungsgericht sagt okay zum Pferdezopf eines Polizisten.

*
Der Schlagersänger bemerkt, dass der Weg zum Regenbogen durch das Tal der Einsamkeit führt. Er bietet der öfters weniger Schönen Bier und Wein auf dem Sofa. Sie hat natürlich gemerkt, dass er auf einen vergrabenen Goldtopf spekuliert. Er soll dafür von der Einsamkeit Meer verschlungen werden. Sie läßt sich sein Schmeicheln und Streicheln gern gefallen und schickt ihn, bevor er sich in weichen Pfühlen beweisen muß, zurück in die Hitparade.

Die pinke Giraffe hat einen 3-Tage Bart. Und ich frage mich mit Virginia: Gibt es Geschichten? Hinter den Wolken das Antlitz der Barbie- Schwester. Und hinter ihren Flügeln plötzlich der Elefant.  

Die rosa Giraffe beugt ihren Kopf herab in Deine Tränen, meine kleine Schwester vom Rand der Wüste, die kein Medikament rettet, weil der Forscher in die Abrechnung statt ins Mikroskop guckt.

An den Blättern zeigen sich erste Verfärbungen. Rot. Rot blühen die Rosen am Strauch. Rosa wiegen sich die feinen Blüten der Mimosa. In den Grüßen der Menschen liegt wieder Wahrhaftigkeit. Die Ouse rauscht auf. Aus den Wellen ragt der Kopf einer Giraffe pink. 

*
In der Scheibe des Regenschutzes sehe ich mein gelbliches Gesicht. Wie lange noch? Ich rede am Telefon fern. Von Fehlern und Schuld.

Du bist schon auf dem Weg. Du hörst zu, aber Du sagst auch das Eigene. Froh höre ich in Deiner Stimme Zaghaftigkeit und die Absicht, sie zu überwinden, Sensibilität und den Wunsch, sie Dir nicht nehmen zu lassen. 

Und Du halte weiter fest die andere Sehnsucht nach eigenem Raum für Dich und all die Freien, auf den Wanderungen der Freien. Lass uns das Leben hüpfen sehen unter der Sonne, im Regen und zu den Sternen...

Und wie ist es mit Dir, Suchender? Noch hältst Du das Leben fest an der Drachenschnur. Ich sehe und fühle die Sehnsucht, die Kraft. Ich wünsche Dir die Kraft, loszulassen und ins Vertrauen zu sinken. 
Ich höre das Lachen der Macht. 
Ich atme die Luft der Freiheit. 
Die Liebe berührt meine Sehnsucht. 
Eros aber verschlingt mich. 
An der Schneewand des Yasunari Kawabata erwache ich. Es glitzert von tausend winzigen Stichen aus Reflexen des Sternenlichts. 
Ich nehme Deine Hand und lege sie in die des sanften Elefanten. Dunkel erhebt sich sein Schatten aus Deinem Vertrauen. So gehst Du vor ihm ins Tal. Es duftet nach Blüten, Früchten und einer verborgenen Ecke Kindheit. Kehre zurück in die Sehnsucht vom Ursprung her.

Pinke Giraffen versammeln sich an einer Wasserstelle im Horizont. Eine Herde Elefanten gesellt sich dazu. Friede erhebt sich aus Afrika.
Eine pinke Giraffe für Karl Lagerfeld. Und für – 
Dich.

13.09.08, erneuert 9.9.09, Klaus Wachowski