Dienstag, 20. November 2018
Freitag, 9. November 2018
Austritt eines Beamten 1997 Grüne
Dein Schreiben an die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen vom 18. Juni wurde zuständigkeitshalber an unser Büro weitergeleitet. Wir bedauern Deinen Parteiaustritt. Zu Deiner Begründung möchte ich aus Sicht unserer Beamtenpolitik aber doch etwas anmerken.
Bündnis 90 / Die Grünen setzen sich für einen modernen, effizient und bürgernah arbeitenden öffentlichen Dienst ein. Dabei geht es uns insbesondere darum, daß das Beamtentum den veränderten Bedingungen und Anforderungen unserer Gesellschaft gerecht werden kann. Wir halten daher weitergehendere Reformen für notwendig als sich der Bundesinnenminister in seinem Entwurf für ein Dienstrechtsreformgesetz zugetraut hat. Und wir glauben, daß dies unterhalb einer Grundgesetzänderung schon jetzt möglich ist. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung verfolgt in großen Teilen einen Ansatz, der weitreichende Modernisierungen unter Zustimmung der Beschäftigten und zugunsten größerer Bürgerfreundlichkeit nicht ermöglicht.
Wir halten die Reform der öffentlichen Verwaltungen schon lange für überfällig, weil große Teile der Verwaltung heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Viele Beschäftigte des öffentlichen Dienstes klagen zurecht über starre Strukturen, fehlende Flexibilität und Eigenständigkeit sowie Arbeitsüberlastung. Ihre Kreativität und Leistungsbereitschaft wird bislang nicht genutzt. Der Kunde bekommt dann leicht eine Mißlaunigkeit zu spüren. (Anmerkung: war wohl noch nicht als Kunde Bahn gefahren.)
Nach Auffassung der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen soll der Einsatz von Beamtinnen und Beamten nicht abgeschafft, wohl aber auf die hoheitlichen Kernbereiche wie Polizei und Justiz eingeengt werden. Dabei ist uns klar, daß viele Beamte gute Leistungen erbringen, oft gerade trotz der starren und umständlichen Strukturen. Die Reformen dürfen deshalb nicht auf ihrem Rücken ausgetragen, sondern müssen gemeinsam mit ihnen voran gebracht werden.
Wir wollen den Beschäftigten Sicherheit für ihren Arbeitsplatz, aber auch Mut zur Veränderung vermitteln. Eine Reform des öffentlichen Dienstes liegt nicht zuletzt in ihrem eigenen Interesse. Wir fordern deshalb für alle Beschäftigten leistungsorientierte und motivationsfördernde Arbeitsbedingungen. Dazu gehört die Vergabe von Führungspositionen auf Zeit, eine größere Durchlässigkeit und Flexibilität im Laufbahnsystem, mehr Flexibilität in den Arbeitszeiten, ein Berufsausstiegskonzept, sowie der Ausbau von Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Wir halten solche Reformen für wichtig, gerade um das Beamtentum zeitgemäß zu erhalten. Insofern ist mir Deine Kritik nicht verständlich.
Christian Holtorf, Wiss. Mitarbeiter
Mit freundlichen Grüßen
Heute -2018- mag mancher, der nicht von seinem persönlichen Vorankommen geblendet ist das Desaster erkennen. Alle Trumps, Putins und Kims haben das Rezept der Grünen realisiert. Der Zustand zeigt die Rückseite des reinen Weltbildes. Vielleicht findet man auch hier Wölfe als naturgegebenes Ideal. Ich war Beamter und hatte anderen Einblick in die Sache, den ich von Hannah Arendt geteilt sehen durfte. Das H.A. Institut in den Händen der Unpolitik?
Ich antwortete jedenfalls:
Alzey, 13. Juli 1997
Herrn Christian Holtorf
Büro Dr. A. Vollmer
Bundeshaus
P 93
53113 Bonn
Ihre politische Erklärung zu meinem Parteiaustritt vom 8.7.97
Sehr geehrter Herr Holtorf,
Ich habe die Fraktion angeschrieben. Sie hat meinen Brief an Sie weitergeschoben. Ich hatte meinen Austritt erklärt, Sie hatten das Bedürfnis, sich zu erklären. Sie redeten für eine Partei, von der ich anderes zu hören gewöhnt war. Meine Kritik ist ihnen nicht verständlich, möglicherweise ist es die Hannah Arendts:
"Sie (die bourgeoise Klasse) hat wahrscheinlich im Staat nie etwas anderes als eine notwendige Organisation zu Polizeizwecken gesehen. Diese Blindheit... hatte zur Folge, daß die Mitglieder dieser Klasse immer in erster Linie Privatpersonen blieben ... Denn die Privatgesellschaft, in der diese Klasse lebte, war eine Gesellschaft von Konkurrenten, in der in der Tat galt, daß Macht Recht ist, daß der Erfolg der einzige Maßstab allen Tuns und Leidens ist und daß der Größere notwendigerweise immer den Kleineren verschlingen muß .
Im Zeitalter des Imperialismus, da Geschäftsleute selbst von Politikern um ihrer staatsmännischen Einsicht willen bewundert wurden, während Staatsmänner nur noch ernst genommen wurden, wenn sie sich wieerfolgreiche Geschäftsleute gebärdeten, wurde diese Maximen privaten, an Konkurrenz gebundenen Handelns nach und nach auf das Niveau von Prinzipien für die Ordnung öffentlicher Angelegenheiten gehoben ...
Gerade weil die nationale Innenpolitik anfänglich von dieser Umwertung unberührt blieb, wurde die Bevölkerung kaum gewahr, daß das systematische Außerachtlassen aller Fragen des öffentlichen Wohls und die Rücksichtslosigkeit, die für das gesellschaftliche Leben ohnehin schon kennzeichnend waren, aber gegen welche die staatlichen Instanzen die Privatpersonen, so gut es ging, geschützt hatten, nun auf sie politische Sphäre der öffentlichen Angelegenheiten selbst ausgedehnt werden sollten, so daß der individuelle Bürger schließlich selbst den dürftigen Schutz noch verlor, den Gesetz und Recht ihm gegen die Anarchie der Gesellschaft geboten hatten. HA. Elemente und Ursprünge... "Serie Piper S 241
Der Funktionärsstaat, den Sie als Perspektive vorschlagen, ist nichts als die ideologische Bürokratie nach altem Muster:
"... Juristisch gesprochen und im Gegensatz zur Gesetzesherrschaft ist Bürokratie das Regime der Verordnungen. Die Macht, die in Verfassungsstaaten nur der Ausführung und Innehaltung der Gesetze dient, wird hier, wie in einem Befehl, zur direkten Quelle der Anordnung. Verordnungen sind ferner immer anonym, während Gesetze immer auf bestimmte Personen oder gesetzgebende Versammlungen zurückgeführt werden können; sie bedürfen weder der Begründung noch der Rechtfertigung im einzelnen Fall ...Vom Standpunkt dieser Bürokratie, die die despotische Herrschaft für den Dynasten besorgte, erschienen die verfassungsmäßigen Regierungen als unendlich unterlegen und die ihr eigentümlichen Gesetze als " Fallen ", in welche die Herrschenden sich nur unnötigerweise verstrickten. Auch fühlten diese Bürokraten ... sich den gesetzgebenden verfassungsmäßigen Regierungen dadurch überlegen, daß sie durch keine Prinzipien ... eingeschränkt waren, also in ihrem Sinne über eine viel größere Freiheit verfügten; auf die Beamtenschaft dieser Staaten sah sie ebenfalls herab, weil diese in der Anwendung der Gesetze wiederum von Gesetzesinterpretationen gehemmt und so an direktem politischem Handeln verhindert war. Der Bürokrat, wiewohl er nur Verordnungen durchführt, die er selbst nicht erlassen hat, hat zum mindesten die Illusion einer ständigen, weitreichenden Tätigkeit und fühlt sich himmelweit den "unpraktischen" Leuten überlegen, die sich dauernd über legalistische Details den Kopf zerbrechen müssen und daher außerhalb der Machtsphäre bleiben, die für ihn Politik überhaupt verkörpert ."
HA. a.a.O. S 351
Sie wollen das Gegenteil von mir. Wie sollen Sie mich verstehen ? Wo ich das Wort Recht erwarte, verwenden Sie gleich drei Worte aus der Supermarkt -Propaganda : Effizienz, Flexibilität, Bürgerfreundlichkeit.
Ich habe in meiner Ausbildung von Beamten, die die Gründung der Republik erlebten, so etwas nicht gehört. Mir war nie bewußt, daß es die Aufgabe einer Rechte-Verwaltung sein könnte, irgend etwas effizient wegzuputzen, Käufermassen effizient zu bedienen oder einer Aktionärsversammlung zur gesellschaftlichen Dividende aus dem Volkskörper zu verhelfen. Mit Flexibilität muß jeder, der Recht verhandelt und nicht Aktien jongliert oder einem fremden Willen vorauseilt, Probleme haben; und Bürgerfreundlichkeit ist eine Talk-Show- Tugend, die dem Respekt gegenüber dem Bürger nicht angemessen ist .
Sie lächeln, ich nehme ernst. Ihr zeitgemäßes Beamtentum ist das der 2/3tel-Gesellschaft, in der der Staat sich auf den Schutz des oberen Drittels zurückzieht und den Rest den Streetgangs aller Sparten überläßt. Daher der Rückzug auf " hoheitliche " Macht ausübende Beamtenschaft. Daß Sie es nicht vom imperialistischen Hochhaus, sondern von erleuchteten Campus aus fordern, ändert an den Folgen für diese Republik nichts.
Eine Grundgesetzänderung ziehen sie nicht in Betracht. Der Bürger dankt .
Dafür machen Sie ihn zum Kunden. So wird Recht käuflich. Keinem Bürger, der sein Recht will, fällt ein, daß er so etwas wie ein reklamierender Kunde ist und das Recht eine Ware. Sie sind zum Beispiel ein beauftragter Manager, der voll vom Willen seiner Auftraggeberin abhängt. Wie sollen Sie einen verstehen können, der nur an Recht und Gesetz gebunden ist und allerdings nicht hinter einer Kasse zu sitzen wünscht, sondern einer Bürgerin oder einem Bürger gegenüber, der nach seinem Recht verlangt. ..
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wachowski
Heute 2018 denke ich, dass solche Spannungen stets wirken werden, wenn sich Routine, also mangelnde Wachsamkeit, und unkontrollierter Ehrgeiz -mit Erbanspruch- in eine Republik von frei und gleich geborenen Bürgern einschleicht. Es braucht keine Diktatur, um in eine Diktatur zu fallen.
Und die Prüfer der Politik, die täglich im Dienst der besonders kommunalen Rechnungsprüfung an Willfährigkeiten leiden von indirekt vorgesetzten Politikern, die sie mit allerlei Tricks und Drohungen aushebeln können, um weiter als gnädige Mamas und Papas zu erscheinen,- mein Bedauern aber auch Ermutigung: Ihr seid von der Republik eingesetzt, nicht vom mächtigen Freund, der sich Bravheit für Beförderung erwartet....
Montag, 6. August 2018
Ich fand was aus Hagen
Montag, 19. März 2018
Bischof Watschn aus 2004
Mittwoch, 16. August 2017
1983
Freitag, 11. August 2017
Bereinigtes aus den 80ern
Dem Leiden stecken sich ohnedies nur wenige Hände entgegen. Es wage nicht die Bitte, über die bare Existenz hinaus am Leben auch noch teilzunehmen. Es verwende das gleiche Parfüm von Kultur und zeige nicht, das es die höhere Zivilisationsstufe von Bierfusel und Weindusel nicht riechen kann. Intellektuellen gegenüber treffe sein Angstschrei den rechten weltanschaulichen, zu Zwecken der Lyrik verwendbaren Ton. Die Nase ist das dem Herzen gegenüber höher entwickelte Organ.
Reue und Verbrechen
anlässlich Bericht der FR 20.3.87 zum Euthanasie - Prozess des Dr. Ullrich
Das Widerwärtige ist nicht, das ein von Strafe bedrohter Lebenswille die abseitigen und übelsten Argumente zur Verteidigung nutzt und Barmherzigkeit lügt, sondern, daß er nicht bereut. Aber Reue nimmt ja freiwillig und- im achtenswertesten Fall- die Strafe gerne auf sich. Strafe hat den Sinn, den Triumph des Verbrechers angesichts des Leidens aufzuheben - allerdings durch Leiden. Das ist die Gemeinschaft den Opfern schuldig, doe sie nicht schützen konnte.
Der gewöhnliche Verbrecher kann als entschuldigende Grundlage seiner Tat nur den Aspekt der eigenen Notlage vorbringen, sei es innerer Zwang, sei es äußerer Mangel. Je nach Größe der Zwangslage kann dann im Sinne der Opfer straffe vermindert oder verschärft werden. Damit müssen Opfer oder Angehörige dann leben. Bei Nazi - Verbrechen ist es in der Regel so, das die Notlage auf Seiten des Täters darin bestand, sich bei der Wahl zwischen Gehorsam und Verweigerung, also zwischen Wohlbefinden und geringfügigen Nachteilen, sich für die Karriere entschieden haben. Die strafverschärfende Motivation wird leider nur von den Opfern und den Angehörigen wie wenigen Beobachtern regelmäßig erlangt. Die solcherart mangelhafte Fähigkeit der Gesellschaft zu ethischem Urteil ist hinzunehmen und der insgesamt kläglichen Beschaffenheit des Lebens selbst zuzuschlagen.
Von Rache unterscheidet sich Strafe insofern als sie das Leiden, das sie verhängt an der Größe des Leidens orientiert, das die Tat dem Opfer zufügte, insofern als es Rechte gegenüber Menschen hatte. Rache geht darüber hinaus, indem sie auch leiden verfolgt, das nicht der Tat zuzurechnen oder dem Opfer selbst geschehen ist. Ihr Ziel ist nicht Aufhebung des Verbrechens, sondern Leiden des Verbrechers.
Opfer, Angehörige und der von Abscheu bewegte Betrachter erwarten, über die Bestrafung der Tat hinaus die Abkehr des Täters von der Tat. Strafe u.U. d Rache sind nicht zu solcher Wirkung fähig: der Schuldige wird dadurch zur Furcht vor den Verfolgern, nicht zu reuigem Mitleid bewegt.
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Todesstrafe
"Es ist etwas in meiner Hand, das sich weigert, ein Todesurteil zu unterschreiben. " Charles II. von England.
Während in den Händen manches aufgeklärten Staatsoberhaupts häufig etwas ist, das sich weigert, eine Begnadigung zu unterschreiben.
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Über Feigheit
Mut ist, wie Schopenhauer bemerkt, keine Eigenschaft von moralischer Qualität. Die Überwindung der( berechtigten) Furcht durch ein die Zwecke der Selbsterhaltung verdrängendes Motiv ist aber im Gegensatz zu Schopenhauers Deutungsversuch nicht schon wegen der Verachtung des Lebenswillens auch der Achtung wert. Ob Mut moralisch oder verächtlich ist, hängt allein von der Qualität des Motives ab, die ihn hervorbringt.
So kann der Selbsterhaltungswille sowohl durch ein Motiv überwunden werden, das sich aus der Hoffnung auf einen sadistischen Genuss für einen niederträchtigen, als auch durch ein anderes, das sich aus dem Anblick eines Leidens für einen barmherzigen Charakter ergibt. Ob der Mut sich dagegen anlässlich einer verzweifelten oder einer hoffnungsvollen Situation zeigt, hat Bedeutung nur hinsichtlich seiner Größe ( im Verhältnis zur überwundenen Angst), nicht hinsichtlich seiner moralischen Qualität. Es gibt großen Mut in menschlichen wie in bestialischen Angelegenheiten.
Ebenso kann Feigheit in moralischen Dingen keine Schuld wie in niederträchtigen keine moralische Achtung begründen. Wo etwa der Selbsterhaltungstrieb über das Mitleid siegt, ist das Handeln nicht der Achtung würdig.
Da Selbsterhaltung Grundlage des Lebenswillens ist, richtet sich die Verachtung der Feigheit gegen das Leben, den Menschen überhaupt. Der Einzelne muß aber nur insofern, nicht für die spezielle Tat, sondern für sein Menschsein überhaupt die Verachtung annehmen. Und für das Tun oder Unterlassen mag er strafrechtlich - von der Tat her - verantwortlich sein. Moralisch, im Feld der Motive, ist die Schuld unmöglich zu ermessen. Daß er "so einer ist", oder war, z.b. überhaupt fähig war, böse zu wollen, nicht zu bereuen, ist das, was wir nicht begreifen, weder bejubeln noch verachten können. Wir verachten und bestrafen aber, dass er dieses Wollen umgesetzt, sich vom auch-Mensch-sein abgewendet hat.
Dienstag, 8. August 2017
Wege sanieren
Ich betrachte Texte der 80er, zum Teil sind sie noch älter.
Ich finde Wahrheiten des Verstehen und Herausfinden-Wollens, heldenhaft erzürntes Pathos, Talent. Den allergrößten Teil werfe ich weg, lasse die Erinnerung am Vergessen arbeiten.
Ja! Meinen Weg ging ich suchend, im Wunsch gerecht zu sein, zu helfen, es richtig zu tun. Ich hatte Erfolg, nicht Ruhm. Ich erlebte Glück.
Dem Leiden versuchte ich eine Stimme zu geben. Jetzt habe ich selbst davon, ohne davon reden zu können. Aber für das, was ich hatte, danke ich.
Warum nicht dokumentierten? ich möchte schon von den schönen, erhabenen, schlimmen und gefährlichen Plätzen berichten und singen, zu denen mich mein Weg führte. Andere kamen auf anderen Wegen zu den gleichen Plätzen oder zu schöneren pp. Wer einmal nachschauen wollte, wo ich war und wie es mir erging, sollte auf dem Weg zu solchen Plätzen lieber nicht vom eigenen Weg abweichen. Die vielen kleinen Irrwege, Gartenpfade nicht weniger voll Schlamm, Dornen aber auch schönen Panoramen pp, unterscheiden sich zu wenig unter uns Wanderern, als dass man auf das Erlebnis eigener innerer Landschaft zugunsten des Nachlebens einer anderen verzichten sollte. Lieber vom eigenen enttäuscht als vom anderen erhoben und vom eigenen enttäuscht. Mein Rat: Hänge deinen eigenen Knüppel statt einen Feinstrich von Picasso auf. Aber besuche diesen in einem guten Museum.
Und mich besuche in meinem Blog, wo ich selbst schon ausgewählt habe und weiter vor allem auch lösche.
Ich schreibe zu viel als daß ich viel von anderen lesen könnte. Das wenige hat mir gezeigt, daß es viel Gutes auch bei anderen gibt, das sich zu erkunden und aufzubewahren lohnt. In Kindheit und Jugend habe ich vor allem die Luft in der Stadtbücherei eingesogen, später las ich Phantastisches, politische Literatur. Dann mehr und mehr. Dann: Wie gut, daß es eine Schopenhauer -, eine Jean - Paul - Gesellschaft gab. Wie gut, das der Verlag 2001 Karl Kraus nachdruckte. All die verschlungenen Pfade von Suchern, Liebenden, die man nachgehen konnte, wenn man etwas aus dem eigenen Inneren deutlicher, schöner gesagt hören wollte. Es sagte: geh den eigenen Weg! Und: Suche!
Und ich ging durch eigenes Dickicht. Und es war und ist schön und unschön, aber selbst. Mag der Wind meine Spur verwehen, ich selbst helfe nach. Was sichtbar bleibt, möge den Aufwand des Interesses lohnen. Wenn nicht: ich habe mein bestes getan, dies zu ersparen. Und auch Enttäuschung lohnt als Angebot zu eigenem Leben.
Ich war jung. Die neuen Jungen, soweit sie kritische Vernunft bevorzugen, schreiben so pathetisch und energisch wie ich damals. Ich entsorge ähnliches. Aber ich finde, solcher Rausch hält die Sehnsucht nach allem, was den Menschen liebenswert macht, also Menschlichkeit, am Leben. Mein weiser Kopf lächelt. Eine Alterserscheinung. Auch sie herzlich nötig.
8.8.17
